Banff Der erste Nationalpark Kanadas

NNach unserer abenteuerlichen Wanderung am Lake Louise ging es nachmittags über den historischen Alberta Highway 1A nach Banff. Dieser wurde uns uns zuvor im Ort mit dem Verweis empfohlen, dass er mit sportlicher Fahrweise und den nötigen Pferdestärken wohl in ca. 20 Minuten machbar sei. Wir erreichten nach über einer Stunde Banff und entschlossen uns, nach einer spektakulären Calzone à la Ben Wyatt, die erste Nacht auf dem Parkplatz des regionalen Touristenzentrums zu verbringen. Die örtlichen Peace Officer hielten das leider für keine so gute Idee und klopften uns, enttäuscht davon, dass wir wohl ein Warnschild ignoriert hatten, aus dem Schlaf. Uns wurde nach einer kurzen Entschuldigung jedoch Verständnis für unsere Situation zugesichert, wir sollten doch bitte früh vom Lande ziehen, um womöglich schlechter gelaunte Kollegen nicht in unnötige Aufruhr zu versetzten. Wir versicherten unsere Solidarität und drehten uns noch für ein paar weitere Stunden friedlich in den Schlaf.

Für den nächsten Tag hatten wir uns nicht allzuviel vorgenommen. Am Morgen stand der obligatorische Besuch der Touristen-Info an, die uns in örtliche Bedingungen einweihte. Danach gings es für eine Nacht ins International Hostel Banff, wo sich unsere Körper sowie der Kleidungsbestand einer ordentlichen Portion Seife erfreuten. Abends begleiteten wir noch eine Gruppe Menschen aus dem Hostel ins Rose & Crown, wo wir bei spitzen Livemusik der kanadischen Band “Until Red” (70s Inspired Yacht Rock) einen spaßigen Abend verbrachten. Das noch größere Schnarchkonzert folgte später im Hostelzimmer, es wurde allerdings schon früh morgens durch einen sympathischen Mitbewohner mit einem ca. 110 dB lauten Sirenen-Handy-Alarm für beendet erklärt.

Nachdem wir den nötigen Kaffee zu uns genommen hatten, um die Ereignisse der letzten zwei Nächte herunterzuspülen, konnten die Erkundung von Banff losgehen. Wir trafen während des Frühstücks Ronja und Nora und zusammen mit Nevo, der uns schon vom letzten Abend bekannt war, machten wir uns auf zum Johnson Canyon. Der Johnson Canyon ist wegen seiner Wasserfälle, Tunnel und Wasserbecken berühmt und ist darüberhinaus ein im Winter gern genutztes Ausflugsziel für Eiswanderungen. Wir erkundeten die äußerst vielseitigen und hübschen Landschaften, an denen sich wie an so vielen Orten zu dieser Jahreszeit Eis und blühende Pflanzen Hand in Hand die Ehre gaben. Nach der Begehung der Hauptbereiche des Canyons entschlossen wir uns noch zu einer kleinen Wanderungen, die wir aber wegen vereisten Wegen nur teilweise absolvierten konnten. Zu schlecht war an diesem Tag unser Schuhwerk und zu oft lagen wir (ich) am Boden.

Auf dem Rückweg in die Stadt sichteten wir auf einem offenen Feld noch ein Rudel Kojoten und konnten so unserer nächsten Haken auf der Wildlife-Bucketliste machen. Wir entschlossen uns die Nacht auf einem Campingplatz zu verweilen und fanden nach einer Kochsession friedliche Bettruhe!

Am nächsten Tag nahmen wir uns die Zeit für Organisatorisches und verweilten daher in einem Café. So bemerkten wir nicht einmal, das es zwischenzeitig aus allen Eimern schneite. Das Highlight, in diesem Falle kulinarisch, kam jedoch noch und so besuchten wir zum Abendessen das Nourish Bistro. Serviert wurde eine sehr leckere vegane Lasagne und ein solides Stück Käsekuche, nach eher primitiver Nahrung der letzten Wochen ein Fest. Später ging es zurück zum Campingplatz, nicht bevor wir uns Ski-Equipment für die nächsten Tage beim ansässigen Skiverlieh besorgten.

Der Plan war zwei Tage auf zwei Brettern im Skigebiet Sunshine Village, indem sogar Teile der olympischen Spiele 1988 ausgetragen wurden. Für Nana waren es die ersten Erfahrungen auf der Piste und somit begaben wir uns, nach der Gondelfahrt in die Base Area, erst einmal auf flachere Berge. Am Vormittag wurde eine kleinen Skistunde ausgerufen, in der ich mit bestem Gewissen versuchte, meine bescheidenen Skills weiterzugeben. Da Nana sich sichtlich gut anstellte und ich mehr als motiviert war, ging es schon nach einigen Stunde auf einen der höchsten Berge des Skigebiets mit einer spektakulären Panoramasicht auf die Rocky Mountains. So beeindruckend schön die Sicht von oben war, die Abfahrt gestaltete sich doch ein wenig frustrierender, als erwartet. Die Idee war für den ersten Tag wohl doch sehr optimistisch, jedoch kamen wir schlussendlich heil herunter. Nach einer kleinen Stärkung mit Leuten aus dem Hostel machte ich mich mit Din auf, um andere Hänge von Sunshine zu befahren, während Nana mit dem Rest der Gruppe die Stellung an der Bar hielt. Zwar wurde von der erfahrenen Sunshine-Fraktion behauptet, dass an diesem Wochenende wohl recht viel los war, jedoch mussten wir über den Tag gesehen an keinem der Lifte auch nur eine Minute anstehen.

Abends ging es wieder auf den nahgelegenen Campingplatz, um mit Tofuwürstchen über dem Lagerfeuer stilecht den Tag abzuschließen. Zudem bekamen wir noch Besuch von Din und Nevo, die sich in bester Gesellschaft von herumstreunenden Kojoten zu uns gesellten.

Am nächsten Morgen wachten wir auf und es war so kalt, dass man seinen eigenen Atem bewundern konnte. Also Belohnung für den morgenlichen Kampf gab es dann allerdings ein ansehnliches Bergpanorama mit erstrangiger Lichtstimmung. Wir dankten mit einem Frühstück an einem gutgelegenen Aussichtspunkt und machten uns auf Richtigung Piste.

Wieder in bester Hostel-Gesellschaft starteten wir wieder mit ein paar Abfahrten und der Erkentniss, dass man den Schwung mit Talent wohl in zwei Tagen erlernen kann. Später ging es wieder mit Din und teils alleine auf in die großen Weiten von Sunshine und wir erhoben außerdem das Glas auf unseren letzten Tag, bevor es mit er Gondel zurück ins Tal ging. Die letzte Nacht verbrachten wir wieder im Hostel, vor der Bettruhe stand allerdings noch Bar Hopping an, da einige Langzeitgäste ihren letzten Abend hatten. Wir genossen also ein weiteres Mal das Nachtleben von Banff und fielen dann erschöpft in ein deutlich sympathischeres und ruhigeres Zimmer.

Während des Frühstücks stellten wir ein wenig frustriert fest, dass wir von Banff noch gar nicht so viel gesehen hatten. Wir wollten den letzten Tag nutzen und so suchten wir uns einige kleinere Trails heraus. Zuerst bewältigten wir den Marsh Loop bei Cave & Basin, in der Nähe vom Besucherzentrum, an dem wir die ersten Nacht geschlafen hatten. Dort bekam man seltene Wildvögel und Pflanzenarten zu Gesicht. Danach ging es zum Fenland Loop, der direkt an der Stadt liegt und einem trotzdem das Gefühl vermittelt, mitten in der Natur zu wandern.

Für den restlichen Tag verabredeten wir uns mit Din am Lake Minewanka und konnten endlich den Plan in die Tat umsetzen, uns auf der Slackline zu probieren. Eine wirklich intensive und krasse Erfahrung, sobald man an dem Punkt ist, an dem man ein Gefühl für den Schwerpunkt des Körpers bekommt und in der Lage ist, die Balance zu halten. Mit leckeren Snacks, einer wunderschönen Bergkulisse und Blues-Mundharmonika Tönen verbrachten wir einen sehr entspannten Tag am See und waren uns Abends einig, dass dies ein perfektes Abschluss einer tollen Zeit in Banff war. Auf der Weiterfahrt sahen wir noch einen Elch, der einen Vogel auf seinen Rücken zu Gast hatte. Die beiden sahen sich einige Sekunden an und dieser Moment hinterließ einen wirklich märchenhaften Eindruck.

Nun sollte es in den Süden gehen, um einen Traum zu erfüllen. Den Yellowstone Nationalpark, der die vielfältigste und außergewöhnlichste Natur zu bieten hat, die ich bisher sehen dürfte. Also schaltet euer Modem schon mal auf Sparflamme, denn im nächsten Blogartikel könnten es ein paar mehr Bilder werden. Gehabt euch wohl!

Auf einen Blick

Reisedauer: 19 Tage
Regentage: 2 Tage
Niedrigste Temperatur: -8° C
Höchste Temperatur: 16° C