Icefields Parkway Die mit Abstand schönste Fernstraße der Welt

Moinsen, werte Leser! Der Icefield Parkway ist ein 230 Kilometer langes Teilstück des Highway 93 und verbindet Jasper mit dem nordwestlich von Banff liegenden Lake Louise. Die Strecke ist eine einzige Sehenswürdigkeit und zwang uns unzählige Male anzuhalten, um diese bemerkenswerte Natur außerhalb des Autos zu erkunden. Im Gegensatz zu unserem fetten Grinser wechselten sich die uns gebotenen Szenerien im Minutentakt und brachten eine Abwechslung mit sich, die man sonst nur aus Michael Bay Produktionen kennt. Ein Highlight des Abschnittes ist das 325 km² große Columbia Icefield, ein Nährgebiet von insgesamt acht großen Gletschern, welche sich sogar in Teilen erkunden lassen. Da wir den Icefield Parkway, anders als die meisten Besucher der Rockies, von Norden angingen, forderte schon die Planungen dieses Tages unsere vollste Aufmerksamkeit. Der Trip endete am Lake Louise, an dem wir drei sehr kalte aber prachtvolle Tage verbrachten.

Unser erstes Ziel waren die etwa 30 Kilometer südlich von Jasper liegenden Athabasca Falls. Die Fälle sind mit etwa 30 Meter weniger durch ihrer Höhe bekannt, sondern aufgrund ihrer beeindruckende Kraft, mit der sie die Felsformationen hinunter stürzen. Zudem präsentieren sie sich im Hauptzentrum des Geschehens in einem kleinem aber sehr hübschen Canyon. Am Fuß treibt der Athabasca River das Wasser in nordöstlicher Richtung weiter bis zur Grenze von Saskatchewan.

Nach einigen kleineren Trails und Fotos waren wir bereit für unser nächstes Ziel, die Sunwapta Falls, die allerdings zu dieser Jahreszeit eher unspektakulär anmuteten. Viel mehr bot, typisch für diesen Tag, der Weg dorthin die formvollendeste Kulisse. Die Straße wurde im folgenden deutlich steiler und die Umgebung eisiger, was Betzi (das Auto) aber vor keine größeren Probleme stellte. Man hat manchmal das Gefühl, dass sie genau für diese Art von Strecken eine Faible hat und einem in diesen Momenten mit vollster Loyalität unterstützen will.

Bevor wir das Icefield Centre erreichten, statteten wir noch den Tangle Falls einen Besuch ab, vor dessen Mündung einige Steinböcke grasten und offensichtlich eine gute Zeit hatten. Der Wasserfall war noch in Teilen gefroren und unsere bescheidenen Kletterskills reichten aus, um aus nächster Nähe funkelnden Eiskristalle, eiskaltes Gletscherwasser und spitze Eiszapfen zu bewundern.

Weiter ging es zu einer Aussichtsplattform nahe des geschlossenen Glacier Skywalks, von der wir eine atemberaubende Sicht auf eines der faszinierendsten und anpassbarsten Ökosystem der Welt hatten. Der Skywalk hat, ähnlich wie der CN Tower in Toronto, einen Boden aus Glas und wusste zudem mit ansehnlicher Architektur zu gefallen, jedoch muss jeder für sich entscheiden, ob der Preis von ca. 30 Dollar für einen identischen Blick und ein bisschen mehr Abenteuer gerechtfertigt ist. Uns wurde die Entscheidung in jedem Falle abgenommen.

Aufgeregt, aufgrund der sich aufbauenden Gletscherlandschaft, rollten wir bergab Richtung Columia-Eisfeld Besucherzentrum und sahen uns schon in einem der Monsterbuse auf den Weg in die unendliche Weiten von Eis. Jedoch hatten wir die Rechnung ohne unseren Zeitmesser gemacht und so wurde uns mitleidig mitgeteilt, dass es sich für diesen Tag ausgetourt hat. Die Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen, da Nana bald ein zweites Mal die Möglichkeit bekommen wird und ich glücklicherweise schon die Ehre hatte. Wir entschlossen uns trotzdem dazu, einen kleineren Wandertrail zu nehmen, um dem spektakulären Anblick näher zu kommen.

columbia-icefield-1Nana versuchte bei dieser Gelegenheit mit ihrer einbeinigen Lauf-Technik (siehe Foto) das Gleichgewicht oberhalb der herausfordernden Bodenverhältnissen zu wahren. Ich tat selbiges und konnte mit einer noch athletischeren und durchdachteren Technik die Blicke der Leere auf mich ziehen.

Der Rest der Strecke brachte keinen speziellen Sehenswürdigkeiten mehr, die Kulissen waren aber nicht minder beeindruckt als das an diesem Tag bisher Gesehene. Wir passierten einige namenlose Seen und Berge und versuchten verzweifelt, eine Bank fürs abendliche Veschper zu finden. Was sich zu einem der größten Mysterien des Tages entwickelte. Auf einer Strecke von über einer 100 Kilometer tauchten zwar zahllose Parkplätze auf, allerdings wurde wohl vom Banffer Nationalpark-Komitee die Idee für doof befunden, dort auch Sitzmöglichkeiten zu installieren.

So konnten wir unsere Brotzeit erst am Lake Louise zu uns nehmen und bezogen erschöpft und glücklich unser Nachtrevier (einen Parkplatz), natürlich nicht ohne davor noch einen Blick auf die volle Pracht des Sees im Abendlicht zu werfen.

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Lake Louise ist eigentlich für seine außgewöhnliche, türkisblaue Farbe bekannt, die von Steinmehl stammt, welches von Gletscherschmelzwasser in den See gespült wird. Wir fanden ihn allerdings noch im gefrorenen Zustand vor, da das Schmelzen des Eises aufgrund des kalten Klimas erst ab Mitte Juni einsetzt. Wir durchlebten die, bis zu diesem Zeitpunkt kälteste Nacht und es kostete einiges an Überwindung, sich am nächsten Morgen an das Steuer zu quälen. Berg hinunter und angekommen am Visitor Center wollten wir uns einen Plan für die Tage machen, stellten aber fest, dass wir uns gerade im Saisonwechsel befanden und dadurch keine wirkliche Auskunft verfügbar war. Wir schlenderten hoffnungsvoll umher und versuchten Infos über Wanderwege und Wetterbedingungen zu bekommen.

Fündig wurden wir in einem im Dorf ansässigen Sportgeschäft, welches uns zugleich noch mit guter Beratung vorschlug, Cross Country Skiing auszuprobieren (Langlauf klingt nicht halb so cool). Wir schnallten uns also zwei Bretter unter die Füße und bewältigten den Great Divide (auch bekannt als “Old 1A”) zur Hälfte. Es ging ca. 3 Stunden auf einem engen Waldweg im vollsten Sonnenschein auf und ab und war super anstrengend, gleichzeitig aber auch sehr spaßig. Für diesen Tag hatten wir genug und so gesellten wir uns mit Campingkocher in einen nahgelegenen Park, um ein leckeres Abendessen einzunehmen und den nächsten Tag zu planen.

Wir hatten uns vorab in den Kopf gesetzt, den Plain of Six Glaciers zu absolvieren. Am Ende des ca. 5,5 Kilometer langen Hikes (One Way), der über den See, Mount Victoria und den Victoria Gletscher führt, sollte man zu einem Teahouse stoßen. Beim Äußern unseres Plans im Sportgeschäft wurden wir ein bisschen schief angeschaut, da die Wanderung für diese Jahreszeit eher unüblich ist. Uns wurde empfohlen, dass wir früh genug starten sollten, da an solch sonnigen Tagen gerne geschmolzener Schnee von den Bergen kommt und wir auf jedenfall Spikes brauchen, da es sehr eisig werden könnte. Wir liefen am nächsten Morgen um kurz vor 8 am Lake Louise los, überquerten zuerst den See, bevor es durch Wald, vorbei an steilen Bergwänden auf eine rießige Schneefläche ging, die in einem Bergtal lag. Die Spikes stellten sich im ersten Teil der Wanderung als durchaus nützliche Hilfe heraus. Als wir auf Schneefläche ankamen und regelmäßig mit großen Teilen unseres Körpers im Schnee versanken, wurden sie jedoch mehr und mehr zu einem nutzlosen Equipment.

Wir trafen auf dem Hinweg keine alte Sau und entdeckten als einziges Zeichen von Leben ein paar frische Bärenspuren. Als wir den ungefähren Standort des Teehouse erreichten, war weit und breit nichts zu sehen. Wie wir im Nachhinein erfahren haben, ist es zu dieser Zeit wohl tief unter dem Schnee begraben. Wir machten uns nach einer kurzen Pause mit Frühstück auf den Rückweg und erlebten den Schreck unseres Lebens, als ca. 200 Meter hinter uns mit einem lauten Knall eine Lawine vom Berg herunterkrachte. Unsere Schritte wurden danach merklich schneller, aber wir erreichten unbeschadet den sicheren Teil des Trials und waren um die Mittagszeit wieder am Auto. Für uns beide war diese Wanderung das schönste Erlebnis dieser Art, dass wir bisher hatten – und trotzt der Anstrengung und des Risikos würden wir sie jederzeit wieder absolvieren.

lake-louise-panoWir schliefen die zwei Nächte am Lake Louise auf einem Parkplatz nicht weit vom Great Divide Trail. Ich stellte mir in jeder dieser Nächte zu drei Zeiten (23:00, 1:00 und 3:00 Uhr) einen Wecker, um die Polarlichter zu sehen und wurde in der letzten Nacht um kurz vor 3:00 tatsächlich dafür belohnt. Umgeben von einem atemberaubenden Sternenhimmel präsentierten sich das Naturschauspiel am Nachthimmel und ich war hin und weg.

Am nächsten Tag konnte es euphorisiert vom Erlebten des letzten Tages weiter gehen nach Banff, wo wir die nächste Woche verbringen sollten. Ahoi und bis Bald!

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Auf einen Blick

Reisedauer: 12 Tage
Zurückgelegte Distanz: 232 Kilometer
Regentage: 1 Tag
Niedrigste Temperatur: -7° C
Höchste Temperatur: 16° C