Rockies, here I come Auf in neue Abenteuer mit Spaß, Spannung und Indianer

Nachdem ich meine reisefreien Tage in Vancouver hauptsächlich mit organistorischen Dingen verbrachte, sehnte ich der zweiten Etappe meines großen Abenteuers entgegen! Auf dem Weg in die Rocky Mountains besuchte ich noch Verwandschaft im idyllischen Vernon und genoss die Zeit in einem Haus am See mit zaghaften Golf- und Tischtennisversuchen sowie einer Menge spannenden Geschichten vom Auswandern und Leben in Kanada. Mein Großonkel Manfred hat Deutschland in seinen jungen 20ern über Wasserwege den Rücken gekehrt, um mit einer eigenen Zeitung den Canadian Dream zu leben. Angekommen ist er damals mit umgerechnet 500 Mark. Aus der Sicht eines heutigen Work & Travellers kann man seine Geschichten und Erfahrungen aus dieser Zeit zwar nur schwer nachvollziehen, aber trotzdem waren sie sehr inspirierend. Nach drei sehr entspannten Tagen ging es von Vernon aus nach Calgary, wo ich Nana an Bord begrüßen dürfte.

Nana ist meine neue Begleitung und wird mit mir für die nächsten 4 Wochen durch die Rocky Mountains reisen. Da sie den Meisten wohl eher unbekannt ist und sich außerdem bereit erklärt hat, für diese Zeit am Blog mitzuwirken, wird sie sich selber kurz vorstellen.

Hejho ihr Lieben! Ich hab die ehrenvolle Aufgabe des Sören vererbt bekommen, den lieben Peter bei seinen Zusammenfassungen unserer künftigen Abenteuer zu unterstützen. Als Neuankömmling in den kanadischen Weiten werde ich versuchen gemeinsam mit Peter die Welt der Ahornsirup schlürfenden Lumberjacks auf den Kopf zustellen. Zu meiner Person ist nur so viel zu sagen, dass ich mich an neuen Erfahrungen und Geschehnissen nie satt erleben kann und ich mich sehr auf diese vier Wochen Roadtrip freue. Ich hoffe ihr habt Spaß an unseren Geschichten, wir hatten sie allemal.
Also ahoi und auf geht die Reise!

Bevor es losging, verbrachten wir noch eine Nacht in Nanas alter WG. Da ich früher als gedacht in Calgary ankam, hatten wir noch ein wenig Zeit und ich bekam eine kleine Führung durch die Stadt. Anders als das steppenhafte Umland ist Downtown von grünen, blühenden Parks umgeben, die sich an diesem Nachmittag in schönstem Sonnenschein präsentierten. Auf dem Weg dürfte natürlich auch nicht der Besuch eines der ökologische Highlights von Calgary fehlen. Die Peace Bridge ist nicht nur von unzähligen anderen Brücken umgeben, die selbigen Zweck erfüllen und sie somit mehr oder weniger nutzlos machen, sondern wird zudem Tag und Nacht beheitzt und beleuchtet. Vermutlich ist das eine kleine Machtdemonstration der nicht zu knappen Öl- und Energieressourcen Albertas. Abgesehen davon wusste sie auch mit ihrem zukunftsweisenden, spacigen Design nicht unbedingt zu gefallen, nichtsdestotrotz ebnete sie uns den Weg in Richtung Kensington, wo wir kulinarisch überraschend schnell fündig wurden. Wir liesen den Abend noch mit Bier, Kompass und Landkarten ausklingen und freuten uns auf das erste ausgemachte Ziele für den nächsten Tag, das Royal Tyrrell Museum.

Nachdem die Nacht wegen einiger lauten Bausstellen eher kurz ausfiel, machten wir uns am nächsten Morgen auf in das etwa 150 Kilometer östlich von Calgary liegende Drumheller. Dort findet man das weltweit bekannte paläontologisches Museum, welches die Geschichte von Dinosaurierfossilien aus der Region erzählt und mit 40 vollständigen Skeletten (inklusive Tyrannosaurus Rex) die größte Sammlung dieser Art vorzuweisen hat. Ein kleiner Höhepunkt waren wohl die vom Museum zur Verfügung gestellten Computer, mit denen sich die Geschichte der Dinosaurier erkunden lies. Auf ihnen lief noch Windows 95, was einem im wahrsten Sinne einen guten Eindruck von der Zeit vor rund 200 Millionen Jahren gab. Wir besichtigten noch die Canyon Landschaft nahe des Museums und machten uns dann entkräftet und müde auf, um einen Schlafplatz für die erste Nacht zu finden.

Auf der halben Strecke zu unserem nächsten Ziel, Edmonton, fuhren wir zum Rochon Sands Lake, da wir dort über Schilder einen Campingplatz ausgemacht hatten. Der ganze Komplex wirkte sehr düster und heruntergekommen. Wir ließen uns trotzdem nicht beirren und klopften freudig an der Rezeption, was mit einem großen Schweigen beantwortet wurde. Beim Blick auf den Rezeptionstisch fanden wir nur eine angebrochene Fanta, laufende Computer und eine funktionierende Überwachungskamera, leider aber keinen Betreiber. Wir machten uns auf, um es in den anderen Gebäuden des Campingplatzes zu probieren, aber fanden auch dort nichts. Auf den Campingflächen standen zwar einige RVs und Trailer, jedoch schien an diesem Ort kein Menschenleben zu existieren. Nach einer Stunde warten und suchen gaben wir frustriert auf und fuhren mit enttäuschten Gesichtern vom Hof.
Ein Geistercampingplatz mitten in Alberta – was für ein gruseliger Anblick.

An diesem Abend wurde dann allerdings doch mal wieder bewiesen: wer nicht aufgibt, findet meistens auch irgendwann Glück. Denn ein ca. 10 Kilometer langer Schotterweg führte uns direkt zu einem netten, kleinen Campingplatz am See, der aufgrund der Wintersaison eigentlich noch geschlossen war. Wir waren die einzigen Besucher und konnten für Lau alle Vorteile einer solchen Einrichtung, die sich in diesem Fall auf ein Plumpsklo beschränkten, nutzen. Abends während des Kochens sahen wir zudem noch einen Biber am hauseigenen See vorbeitreiben und konnten einen in dieser Intensität selten beobachteten Sonnenuntergang genießen. Am nächsten Tag sollte es in die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, Edmonton, gehen, welches unter Fans den Rufnamen Deadmonton besitzt.

Ob Deadmonton Program oder nur ein unberechtigtes Vorurteil ist – das sollte sich an diesem Tag herausstellen. Wir wollten es der Stadt einfach machen und recherchierten vorher die schönste Gegend. Downtown wurde natürlich gekonnt ignoriert. Wir landeten im Old Strathcona District, nahe der Uni-Gegend und flannierten durch Kunstgallerien, Büchereien und vegane Cafés. Danach sollte es noch in die berühmte West Edmonton Mall, nebenbei das größte Einkaufszentrum Nordamerikas und die Nummer sechs der Welt, gehen. Die komplette Fläche des Komplexes streckt sich auf etwa 500.000 m² und beinhaltet unter anderem ein großes Schwimmbad mit Wellenbad, einen Indoor-Freizeitpark mit Bungeejumping-Turm, eine Dreifach-Indoor-Looping-Achterbahn und einen Indoor-Fluss sowie eine Eislauffläche. Nach diesem ereignisreichen Tag waren wir mehr als bereit für Natur! Und was von Edmonton bleibt? Ein halben, spaßigen Tag kann man dort ohne Probleme verbringen. Und es hat durchaus seine schönen Ecken. Man sollte auf jeden Fall keine großen Erwartungen haben, dann kann man eigentlich nur überrrascht werden.

Abends absolvierten wir noch ein kleines Stück Fahrt Richtung unserem nächsten Ziel, Jasper, aber kehrten nach einem sehr beeindruckenden Sonnenuntergang am Wabamun Lake, welcher zu den meist genutzten Seen in Alberta gehört, auf einem Tankstellenparkplatz ein, da sich die vorherige Campingplatzsuche an diesem Tag als nicht lösbares Projekt herausgestellt hatte.

edmonton-sunset-1

Am nächsten Morgen machten wir uns endlich auf in die Rockies. Auf der Strecke bekam man schon einen mächtigen Eindruck von der Natur, die uns erwarten wird. Die Seen und Wälder gaben sich an diesem Tag keine blöse und präsentierten sich vor einer erstaunlichen Wetterkulisse. Durch den Saisonwechsel Ende April sind zwar viele Attraktionen noch nicht oder nur teilweise geöffnet, dafür entgeht man in dieser Zeit den Haupttourismus und bekommt beide Seiten der Rockie Mountains, die mit verschneiten Landstrichen und Wintersport und zudem schon den Frühling mit blühenden Wäldern, Sonne und mehr als angenehmen Temperaturen.

Angekommen in Jasper entschließten wir uns erst einmal, die Touristeninfo aufzusuchen, um uns über aktuelle Wetterverhältnisse und die dementsprechenden Bedingungen von Wanderwegen und Aktivitätsmöglichkeiten zu informieren. Zudem wollten wir nach zwei sehr sporadischen Nächten gerne mal wieder auf einem Campingplatz verweilen und wurden auf den Wapiti Campground verwiesen, der zu dieser Zeit als einziger in Schlagdistanz zu Jasper geöffnet war. Wir fanden eine im Wald liegenden Örtlichkeit vor und genossen in sehr modernen Einrichtungen eine Dusche, die ihres gleich sucht. Abends fielen wir nach einer warmen Campingmahlzeit und der Planung für die folgenden Tage erschöpft ins Bett und freuten uns auf aufregende Tage in Jasper.

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Am nächsten Tag standen unsere ersten Hikes, der Valley of Five Lake und Old Fort Point Loop auf dem Program. Früh am Campingplatz lernten wir jedoch erst noch unsere Nachbarin Casey kennen, die sich alleine mit ihrem Jeep von Oregon nach Alaska aufgemacht hatte, um dort zu arbeiten und Familie zu besuchen. Vor ihrem Auto hatte sie eine Hängematte gespannt in der sie, wie sie uns erzählte, schon Nächte alleine mit ihrem Hund verbracht hatte. Zumindest konnte sie sich mit einem Netz vor Moskitos schützen, jedoch alleine in der Wildnis in einer Hängematte zu schlafen, da gehört, wie wir anerkennend zugaben, eine gehörige Portion Mut dazu. Am Abend hatten wir uns mit ihr noch in der Stadt auf ein Bier verabredet, davor stand jedoch erstmal unser Tagesplan an. Der Valley of Five Lakes Loop führte uns über einige kleinere Tümpel zu einem großen See, der mit seiner türkisen Farbtönen ein tolles Bild abgab. Um ihn herum stapften wir im Wald eine etwas mehr als 12 Kilometer lange Strecke ab, bevor es zu unserem zweiten Tagesziel ging.

Von dort sollte man eine großartige Panorama Aussicht auf Jasper und die angrenzenden Seen haben. Die Wanderung ist mit ca. 4 Kilometer nicht besonders lang, fordet einen aber durch eine gehörige Steigung. Oben angekommen empfang uns die Region mit einer angsteinflößenden Weltuntergangsstimmung auf der einen Seite und mit einem freundlichen Bergpanorama auf der anderen. Wir entdecken zudem Steinböcke, die es sich im Rudel nahe des Wanderweges gemütlich gemacht hatten. Bevor der Regen einsetzte, machten wir uns auf durch Gestrüpp auf den Rückweg und verloren uns kurzzeitig fast wegen einer sehr verwirrenden Wegauschreibung.

Unten heil angekommen ging es mit dem Auto zurück nach Jasper Village, wo wir unser Nacht-Revier in einer hübschen Wohnstraße aufschlugen. Vor der Bettruhe trafen wir uns allerdings noch mit Casey in einem Pub und lauschten bei einem Bier den spannenden Geschichten vom Backpacking, dem Leben in der USA und in Afrika und von ihren Plänen für Alaska.

An unserem letzten Tag wollten wir mit der Erkundung des Maligne Lakes starten. Ein kurzer Wanderweg sollte uns zu ihm führen, allerdings standen wir überrascht vor einem See, an dem man sich Bootstouren aufgrund der nicht allzu beeindruckenden Fläche nur schwer vorstellen konnte. Wie sich später herausstellte, hatten wir unser Ziel nur knapp verpasst und den Marjorie Lake besucht, der trotzallem mitten im Wald vor der Bergkulisse ein hübsches Bild abgab.

Wir peilten als nächstes Ziel den Maligne Canyon an, indessen Spalten man in über 50 Meter Tiefe wandern kann. Da wir allerdings keine Wanderung gebucht hatten und auch nicht die benötigte Ausrüstung besaßen, beschränkten wir uns auf die etwas flacheren Teile und fanden trotzdem einen wunderschönen Mix aus Eis- und Felsformationen mit Wasserfällen und kleineren Bächen vor. Der Canyon sollte jedoch an unserem letzten Tag nicht das letzte Ziel sein, als Nächstes wollten wir endlich den Maligne Lake sehen, den wir noch am Morgen irrtümlicherweise ausgelassen hatten.

Auf der über 50 Kilometer langen Strecke sollten uns aber noch einige andere Naturphänomene begegen. Erst kreuzten wir eine ganze Herde von Maultierhirschen, die es sich am Straßenrand nahe eines Flusses gemütlich gemacht hatten. Die erste Sichtung von Wildtier!

Zudem kamen wir am Medicin Lake vorbei, der halb ausgetrocknet, halb mit Eis bedeckt mit steilen Felswenden und grünen Wäldern ein beeindruckendes Bild abgab. Der See zwischen dem Maligne Lake und dem Athabasca River wird natürlich aufgestaut (zu dieser Jahreszeit gewiss nur mit mäßigem Erfolg) und fließt in eine der größten unterirdischen Flusssysteme der Erde ab.

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Angekommen am Maligne Lake fanden wir aufgrund der Höhenlage von ca. 1700m einen immer noch total gefrorenen See vor. Allerdings steigt die Temperatur des Wassers nie über 4 °C und so lässt er sich nur für wenige Monate im Jahr mit sommerlichen Bedingungen genießen. Mitten im See liegt zudem die Insel Spirit Island, eine der Wahrzeichen der kanadischen Rocky Mountains. Wir machten uns über einen vereisten Weg im Wald auf, um einen Teil des Sees zu umrunden. Allerdings kamen wir aufgrund der harten Bedingungen nicht besonders weit und entspannten uns bei schönster Sonne eine Weile auf einer Bank. Den Rückweg traten wir dann über die Seeseite im Tiefschnee an, was immer noch komfortabler als Rutscheis war. Nach der Besichtigung des stillgelegten Bootshauses ging es zurück nach Jasper, um bei einem Bier in der Jasper Brewery den letzten Abend ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag sollte es über den Icefield Parkway nach Banff gehen, welche nicht umsonst als eine der schönsten Fernstraßen der Welt gilt und somit, selbstverständlich, einen eigenen Blogartikel verdient hat. Und enttäuscht wurden wir, trotzt der Erwartungen, ganz und gar nicht. So viel kann man schon mal vorwegnehmen. Bis bald, ihr Lieben.

Auf einen Blick

Reisedauer: 8 Tage
Zurückgelegte Distanz: 1887 Kilometer
Regentage: 1 Tag
Niedrigste Temperatur: -5° C
Höchste Temperatur: 16° C