Yellowstone Der krönende Abschluss

Der letzte Blogeintrag der Rockie-Tour umfasst einen Zeitraum von über zwei Wochen. Natürlich stand auch zur Option, diesen aufzuteilen. Nur schlussendlich konzentrierte sich diese Zeit auf ein großes Ziel. Den ältesten und wohl außergewöhnlichsten Nationalpark der Welt, Yellowstone. Die Idee dazu wurde am allerersten Abend geboren und sollte der krönenden Abschluss des Roadtrips sein. Wir fuhren über Canmore und Calgary in den US-Staat Montana und besuchten Kalispell, den Flathead Nationalpark sowie Missoula, bevor es einmal quer durchs Lande an die nordwestliche Grenze von Wyoming in den Yellowstone Nationalpark ging. Dort verweilten wir drei Tage und nahmen den Rückweg über Spokane, wobei wir mit Idaho und Washington zwei weitere Staatsgrenzen passierten. Die letzte Woche besuchten wir noch einmal meinen Großonkel in Vernon. Am 15. Mai dann erreichten wir dann Vancouver. Aber noch mal von ganz vorne.

Nach einer Nacht in Canmore fuhren wir über 6 Stunden nach Kallispell. Die Rockies, allzeit bestens zu sehen von der Beifahrerseite, waren auf dieser Strecke stets unsere treuen Begleiter. Der Kontrast zwischen den mit Schnee bedeckten Gebirgsketten zu den Steppen von Alberta glich fast einer Fata Morgana, wir sicherten uns daher mehrmals über eine Landkarte geografisch ab. Die Grenze zur USA passierten wir ohne größere Probleme, natürlich nicht ohne kleinere Schikanen, aber daran gewöhnt man sich ja langsam. Im Folgenden überquerten wir Indianerland mit unglaublich günstigen Benzin, faszinierte Wälder und Landstrichen, die begründeten, weshalb Montana eine noch deutlich geringere Einwohnerdichte hat als Kanada. In einem Staat, der ca. die dreifache Fläche von Deutschland hat, leben knapp eine Millionen Menschen.

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Nach einer Nacht in Kalispell fuhren wir zu unserem nächsten Etappenziel, dem Flathead Lake. Er ist der größte Süßwassersee im Westen der USA und gehört gleichzeitig zu den saubersten Seen seiner Größe. Beweisfoto liefert in diesem Fall die Google Bildersuche, da die Strömung an diesem Tag entsprechenden Fotomotiven einen Strich durch die Rechnung machte. Nichtsdestrotzt gab er eine nettes Bild ab, wir kehrten an diesem Tag aber relativ früh auf einen Campingplatz ein, da Nana sich einen Virus eingefangen hatte und wir Kräfte schonen wollten.

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Über Polson ging es am nächsten Tag nach Missoula (Partnerstadt von Neckargemünd), eine sehr sympathische Studentensstadt, in der wir einige Stunden verweilten. Wir hatten allerdings noch einiges an Weg vor uns, so kehrten wir ihr am Nachmittag wieder den Rücken. Natürlich mit der Aussicht, auf dem Rückweg nochmal das Vergnügen zu bekommen. Unser Tagesziel war ein kostenloser Campingplatz am Meadow Lake, der ca. 2 Stunden vor dem Yellowstone Nationalpark lag. Wir hatten nur die GPS-Koordinaten und als es dunkel wurde, wandelte sich der Ritt im Laufe des Abends doch noch in ein kleineres Abenteuer, aber wir kamen heile an und hatten sogar Camping-Nachbarn.

In den frühen Morgenstunden machten wir uns endlich auf zum Yellowstone Nationalpark. Kurz vor dem Eingang nahmen wir noch eine ausführliche Stärkung im Form eines sensationellen Frühstücks (Kürbis-Waffeln und Blaubeeren-Pancakes) zu uns und nach dem Erwerb des Nationalparkpasses am Eingang stand dem Besuch des Supervulkans nichts mehr im Weg.

Geysire, blauschimmernde Quellen, Schlammtöpfe, freilaufende Bisons, Bären und Wolfsrudel machen Yellowstone zu einer unglaublich beliebten Sehenswürdigkeit. Man findet dort aber eine noch viele größere Vielfalt von Natur. Canyon Landschaften, riesige Seen, Wälder im kanadischen Stile, wunderschöne Flüsse und nicht zuletzt einen eine konstant vulkanische Aktivität. Diese ist Ursache und Ursprung dieses Naturwunders und macht die Landschaft so einzigartig.

Wir kamen aus dem Westen in den Nationalpark und mussten keine 10 Minuten fahren, bevor wir unser erstes Rudel Bisons zu Gesicht bekamen. Nahe eines Flusses beobachtete ein Haufen schaulustige Menschen die Wildrinder beim frühlichen entspannen und umherstreifen. Man hätte dort ohne Probleme den kompletten Tag ausharren können. Wir hatten uns aber noch einiges vorgenommen.

Wir wollten am ersten Tag alle Geysire von Madison bis Old Faithful besuchen. Dazu muss man eine ungefähr 45 minütige Strecke abfahren und kann von diversen Punkten die Naturphänomene erkunden.

Der Farbenzauber der heißen Quellen entsteht durch das Wirken von spezialiserten Mikroorganismen. Hitzebeständige Bakterien tauchen das Wasser in Orange, Gelb, Blaugrün oder Schwarz. Und das abgefahrene: Ein Großteil der weltweiten existierenden Quellen liegen im Yellowstone (etwa 10.000, 62% weltweit) und stoßen Wasser mit oft mehr als 90° C aus.

Die Bakterien formen außerdem Formationen, die einem abstrakten Kunstwerk in nichts nachstehen. Wenn man an den heißen Quellen vorbeiläuft, bekommt man oft einen gehörige Portion heißen Dampf ab. Dieser wärmt zwar enorm, riecht aber durch den Schwefelgehalt intensiv nach faulen Eiern.

Der Old Faithful ist einer der bekannteste Geysire der Welt. Zwischen zwei Eruptionen liegen ungefähr 90 Minuten, wobei sich sich das Intervall durch Erdbeben und Trockenheit durchweg vergrößert. 30.000 Liter Wasser schießt bei der Eruption in 30 bis 60m Höhe mit einer beeindruckenden Kraft aus dem Boden. Um das Spektakel sind Bänke aufgebaut, auf denen Schaulustige mit Kamera gespannt auf dessen Ausbruch warten. Der Park war an dem Wochenende schon gut besucht, aber das eigentliche Potential erkannte man an den riesigen Parkplätzen, die durchgängig nur zu einem kleinen Teil gefüllt waren. Am Old Faithful befindet sich das Haupt-Besucherzentrum, mit einem  Touristenshops und einem Film über den Yellowstone Nationalpark.

Am Abend begaben wir uns erschöpft auf den Madison Campingplatz. Nana war immer noch alles andere als fit, aber hatte den Tag sehr tapfer durchgehalten. Am nächsten Tag stand wieder ein volles Program an, deswegen fielen wir nach einem ereignisreichen Erlebnissen früh ins Bett.

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Ab Morgen stand der nördliche Teil des Parks auf der Agenda und so machten wir uns auf Richtung den Norris-Geysir-Becken, den heißestens Bereich von Yellowstone. Eine Besonderheit der ist, dass das Wasser der Norris-Becken, im Gegensatz zu anderen Geysiren des Nationalparks, sauer und nicht basisch ist. Deshalb unterscheiden sich die Quellen farblich von den übrigen Quellen. Zudem sieht man im Hintergrund eine schicke Gebirgskulisse.

Als Nächstes erkundeten wir den Yellowstone Canyon. Dieser ist bekannt als “Grand Canyon of the Yellowstone” und bildet eine Schlucht, durch die der Yellowstone River fließt. Typisch für den Canyon sind die in gelben, orangen und roten Farbtönen durch Eisenvorkommen verfärbten Gesteine der Hänge. Es gibt mit den Upper, Lower Falls und Chrystal Falls zudem drei gewaltige Wasserfälle, die Lower Falls sind mit über 90 Meter beispielweise doppelt so hoch wie die Niagarafälle. Der Canyon hinterlässt einen gewaltigen Eindruck und wusste, da er uns vorher nicht unbedingt als Hauptattraktion des Parks bekannt vor, sehr zu überraschen.

Wir hatten Glück, denn ein Tag zuvor hatte die Straße zum Yellowstone Lake geöffnet. Wir konnten daher den Weg antreten und fanden geschlossene Hotels und Touristenanlagen, eine unglaubliche Seenlandschaft sowie einige Asiaten vor, die es für eine gute Idee hielten auf dem Rest-Eis des Sees herumzubalancieren und Selfies zu schießen und dabei ein fürs andere Mal in das, zugegeben, nicht allzuviel tiefes Wasser einzukrachen. Was für ein herrlicher Anblick.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch einige Geysire und wurden durch Autos und fette Kameraobjektive aufmerksam, die am Straßenrand standen. Auf einer Eisfläche eines Berges, der ca. 100 Meter von uns weg lag, hatte es sich eine Grizzly-Bär gemütlich gemacht. Er lag verdutzt herum und wunderte sich wohl, warum er eine solche Attraktion ist. Für uns war es ein besonderes Ereignis, da wir beide vorher noch nie einen Bären in freier Wildbahn gesehen hatten.

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Glücklich machten wir uns daher über eine Schotterstraße auf zu unserem Nachtquartier in der Nähe der Mammoth Hot Springs. Wir schlossen einen Tag mit tausend Eindrücken am Lagerfeuer ab und waren waren ein weiteres Mal mehr als gesättigt mit tollen Erlebnisen. Am Abend traf ich noch einen verstörten Typen auf dem Campingplatz, der mich fragte, was es in diesen Nationalpark eigentlich zu sehen gibt. Ich hätte ihm natürlich am liebsten irgendeine schwachsinnige Antwort gegeben, sein fettes Gürtelmesser und eine Portion Mitleid hielten mich aber davon ab.

Wir stellten uns den Wecker auf 5 Uhr, schließlich wollten wir an unserem letzten Tag nach Lamar Valley, dem wohl beste Platz im Yellowstone Nationalpark, um Wildtieren zu beobachten. Betzi machte an diesem Morgen aufgrund von niedrigen Temperaturen zicken, zudem darf man nicht vergessen, dass wir uns durchgängig auf über 2000 Meter aufhielten und es wirklich sehr früh war. Trotzdem lies sie uns schlussendlich natürlich wieder mal nicht im Stich und wir entdeckten auf unserem Weg Bisons, Elche, Schafe, Rerhe, Ziegen, Gabelböcke und eine Braunbärmutter mit ihren zwei Kindern. Der Bereich ist auch bekannt als Ground Zero von Wolfsrudel. Leider bekamen wir an diesem Morgen aber keinen zu Gesicht, aber man braucht auch noch Ziele für die Zukunft.

Nach unserem morgendlichen Ausflug begaben wir uns wieder zu den Mammoth Hot Springs, die als letzter Programpunkt von Yellowstone anstanden. Heiße Quellen lassen dort warmes Wasser über Sinterterassen gleiten. Die hohen Mineralienanteile lagern sich ab und führen zu tollen Formationen, die durch Kalkbestandteile an gefrorenen Wasserfälle errinern. Die Mammoth Hot Springs waren ein toller Abschluss und wir verließen freudestrahlend und zufrieden den Park durch den Nordausgang.

Der Yellowstone Nationalpark führt einen mit einer unglaublichen Energie vor, wie gewaltig Natur ist und zu was sie wohl in der Lage ist. Man bewegt sich dort ehrfürchtig durch eine Landschaft, die dem, was sich im Inneren unserer Erde abspielt, sehr nahe scheint. Gleichzeitig entzückt der Park mit einer noch nie gesehenen Vielfalt und Schönheit und lässt einen oft kopfschüttelnd und ungläubig sehr klein aussehen. Es war eine große Ehre und ich hoffe auf ein Wiedersehen!

Unser Rückweg führte wieder über Missoula, wo wir eine Nacht verbringen wollten. Leider gab die Servolenkung des Autos auf und so mussten wir eine weitere Nacht vor einer Werkstatt schlafen. Wir genossen unsere Zeit trotzdem und nutzen die wunderschönen Parks, um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Aufgrund der verlorenen Zeit beschlossen wir außerdem, nicht den eigentlich geplanten Weg über den Norden zu nehmen, sondern den Rückweg über Spokane anzutreten.

In Spokane fanden wir mit Loretta und Eric zwei wundervolle Couchsurfing-Hosts. Sie machten uns nicht nur ein leckeres Frühstück, sondern zeigten uns auch die schönsten Ecken von Spokane, inklusive einer Bar, in der am Abend ein Akustik-Rock-Kollektiv Livemusik spielte. Ein bekannte Sehenswürdigkeit von Spokane ist eine Müll-Ziege, die man mit Abfällen füttern kann. Zudem fließt der Spokane River direkt durch die Stadt und die dazugehörigen Wasserfälle werden für Stromversorgung genutzt. Man merkte an allen Stellen, wie liebevoll die Menschen mit ihrer Stadt umgehen. Die Wohnviertel errinerten stark an Portland und alles ist sehr sauber und gepflegt. Uns fiel es am nächsten Tag merklich schwer, weiterzuziehen, aber es sollte wieder nach Kanada gehen.

Die letzte Woche statteten wir meinen Onkel einen Besuch in Vernon ab. Wir verbrachten die Tage mit Kanufahren, Schwimmen, auf der Sonnenliege relaxen und leckerem Essen. Nach einen langen und aufregenden Tour perfekt, um die Erlebnisse der letzten Wochen zu verarbeiten.

Nach ein paar Tagen in Vancouver werde ich mich mit meiner neuen Reisebegleitung aufmachen, um zwei Wochen Vancouver Island zu erkunden. Ihr werdet daher bald wieder von mir hören, mit Neuigkeiten von der größten nordamerikanische Pazifikinsel. Ahoi und vielen Dank an die liebe Nana für das Mitwirken am Blog.

Auf einen Blick

Reisedauer: 32 Tage
Zurückgelegte Distanz: 2772 Kilometer
Gefahren insgesamt: 5491 Kilometer
Regentage: 4 Tag
Niedrigste Temperatur: -7° C
Höchste Temperatur: 26° C